Hintergrundwissen
Deinen ersten Job machst du nicht ein Leben lang
Innenarchitekt wurde er nicht weil er kein Abi hatte, Raumausstatter war seine Alternative. Ata ist mittlerweile Techno-DJ und führt einen der weltweit renommiertesten Clubs, das Robert in Frankfurt. Deine erste Berufsentscheidung ist nicht deine letzte.
Was als ersten Job? Alle wissen es - und ich?
Viele von euch kennen dieses Gefühl: Alle um einen herum scheinen zu wissen, was sie werden wollen, während der eigene Weg sich eher wie ein loses Netz aus Interessen, Versuchen und Richtungswechseln anfühlt. Das verunsichert viele. Gleichzeitig liegt in so einer Unsicherheit mehr Potenzial, als auf den ersten Blick sichtbar ist.
Ein gutes Beispiel dafür ist der Lebensweg von Ata Macias. In Frankfurt ist er heute als Querbeetkünstler bekannt: Musiker, DJ, ehemalig in der Modebranche tätig und Betreiber eines der größten und renommiertesten Clubs weltweit. Betrachtet man diesen Weg rückblickend, könnte man meinen, alles habe logisch aufeinander aufgebaut. Doch tatsächlich war sein Werdegang alles andere als geplant oder geradlinig.
Kein klassischer Start – aber ein eigener Anfang
Ursprünglich wollte Ata Macias Innenarchitekt werden. Ein klarer Wunsch, ein kreatives Ziel. Studium, kreative Arbeit. Der klassische Bildungsweg dorthin war ihm jedoch versperrt, da er kein Abitur hatte. Anstatt diesen Umstand als endgültige Grenze zu akzeptieren, entschied er sich für eine Ausbildung zum Raumausstatter – nicht aus Begeisterung für Schule, sondern aus dem Willen heraus, überhaupt anzufangen.
Dieser Moment ist entscheidend: Nicht der perfekte Start zählt, sondern der Mut, den ersten realistischen Schritt zu gehen. Oft entsteht Bewegung nicht aus idealen Bedingungen, sondern aus der Entscheidung, mit dem zu arbeiten, was gerade möglich ist.
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Mehr InformationenOrientierungslosigkeit ist kein persönliches Versagen
Wenn du nicht weißt, welchen beruflichen oder persönlichen Weg du einschlagen willst, sagt das nichts über deine Fähigkeiten oder deinen Wert aus. Es sagt vor allem etwas über die Komplexität der heutigen Welt. Es gibt mehr Optionen, mehr Vergleichsmöglichkeiten und weniger klare Normpfade als früher.
Orientierungslosigkeit entsteht oft dort, wo Erwartungen und Realität auseinandergehen: von außen der Druck zur Entscheidung, von innen das Gefühl, noch nicht genug zu wissen. Das ist kein Zeichen von Unreife, sondern von Wahrnehmung. Wer sich ernsthaft orientieren will, merkt schnell, dass einfache Antworten selten tragen.
Ungerade Wege sind Lernräume, keine Zeitverluste
Viele junge Menschen befürchten, „Zeit zu verlieren“, wenn sie sich ausprobieren oder ihre Richtung wechseln. Diese Sichtweise ist verständlich, aber verkürzt. Ungerade Wege sind Lernräume. Sie liefern Informationen darüber, was dir liegt, was dich überfordert, was dich interessiert – und was nicht.
Auch scheinbar widersprüchliche Erfahrungen können sinnvoll sein. Sie schärfen dein Urteil und erweitern deinen Handlungsspielraum. Orientierung entsteht nicht nur durch Nachdenken, sondern durch Erleben und Einordnen. Ein Weg muss nicht effizient sein, um wirksam zu sein.
Orientierung entsteht rückblickend, nicht im Voraus
Ein verbreiteter Irrtum ist die Annahme, man müsse den eigenen Weg im Voraus erkennen. In der Realität entsteht Sinn oft erst im Rückblick. Einzelne Entscheidungen wirken zufällig, ergeben aber später ein Muster.
Das entlastet: Du musst heute nicht wissen, wo du in zehn Jahren stehen wirst. Es reicht, wenn du verstehst, warum du den nächsten Schritt gehst. Orientierung ist weniger ein Ziel als ein Prozess – einer, der sich mit der Zeit verdichtet.
Kleine, überprüfbare Entscheidungen sind hilfreicher als große Lebenspläne
Wenn du berufliche Orientierung suchst, kann es überfordernd sein, nach der „richtigen“ Entscheidung zu suchen. Hilfreicher ist es, Entscheidungen zu treffen, die überprüfbar sind. Fragen wie: Was möchte ich in den nächsten sechs bis zwölf Monaten lernen? oder Welche Erfahrung fehlt mir noch, um klarer zu werden? sind oft produktiver als langfristige Lebensentwürfe.
So wird Orientierung handhabbar. Du reduzierst den Druck und schaffst dir gleichzeitig Bewegung. Jeder Schritt liefert neue Erkenntnisse, die deine nächsten Entscheidungen informierter machen.
Unsicherheit aushalten ist eine Fähigkeit – keine Schwäche
In vielen Kontexten wird Sicherheit als Ideal dargestellt. Doch gerade in Phasen der Neuorientierung ist Unsicherheit unvermeidlich. Sie auszuhalten, ohne vorschnell abzubrechen oder sich festzulegen, ist eine wichtige Fähigkeit.
Das bedeutet nicht, passiv zu bleiben. Es bedeutet, Spannungen wahrzunehmen, ohne sie sofort auflösen zu müssen. Wer lernt, Unsicherheit zu tolerieren, gewinnt innere Stabilität – unabhängig von äußeren Umständen.
Vergleiche helfen selten bei der eigenen Orientierung
Soziale Medien und lineare Erfolgsnarrative verstärken den Eindruck, andere seien weiter, klarer, entschlossener. Diese Vergleiche sind meist unvollständig. Du siehst Ergebnisse, nicht die Zweifel, Umwege und Korrekturen dahinter.
Für deine eigene Orientierung ist der Vergleich mit anderen nur begrenzt hilfreich. Entscheidend ist, ob deine Schritte zu dir passen, nicht, ob sie dem Tempo oder den Entscheidungen anderer entsprechen.
Das heißt für dich: Deine Orientierung darf sich entwickeln
Wenn du gerade nicht weißt, was du werden willst, bist du nicht „zu spät“ und nicht „falsch“. Du befindest dich in einer Phase, in der Fragen wichtiger sind als Antworten. Diese Phase ist kein Makel, sondern eine Ressource.
Orientierung entsteht durch Zeit, Erfahrung und Reflexion. Sie lässt sich nicht erzwingen, aber unterstützen – durch realistische Erwartungen, kleine Schritte und einen wohlwollenden Blick auf den eigenen Weg. Du musst dich nicht festlegen, bevor du dich selbst besser kennst.
Wenn du dir erlaubst, deinen Weg als Entwicklung zu betrachten und nicht als Prüfung, entsteht etwas Entscheidendes: innere Ruhe. Und aus dieser Ruhe heraus wird Orientierung oft klarer, als es jede schnelle Entscheidung je könnte.
P.S. Ata auf Instagram


