Hintergrundwissen

In der Ausbildung musst du nicht alles allein machen.

Viele junge Menschen werden in der Ausbildung oder Studium von der Familie unterstützt. Viele aber auch nicht. Alle Auszubildenden können Hilfsangebote in Anspruch nehmen – eins davon gibt es auch bei JOBLINGE. Das basecamp. Warum und wie Hilfe während der Ausbildung funktioniert, erklären wir hier.

Fehlende Möglichkeiten wegen fehlenden Vorbildern?

Viele Jugendliche orientieren sich bei Schule, Berufswahl und Ausbildung an ihren Eltern. Doch was, wenn dieses Vorbild fehlt – nicht aus mangelnder Liebe, sondern aus fehlenden Möglichkeiten?

 

Eine Ausbildung zu beginnen ist für viele junge Menschen ein großer Schritt. Doch was passiert, wenn zu Hause niemand da ist, der helfen kann? Wenn Eltern selbst kaum Schulbildung hatten, das deutsche Ausbildungssystem nicht kennen oder eigene Sorgen so groß sind, dass Unterstützung kaum möglich ist? Die Geschichte von Zeineb zeigt eindrücklich, wie komplex diese Situation sein kann – und warum Begleitung während der Ausbildung so entscheidend ist.

Aufwachsen zwischen zwei Welten

Zeinebs Eltern kommen aus Tunesien. Ihre Mutter ging nur bis zur fünften Klasse zur Schule und war bereits mit 14 Jahren verlobt. Ein selbstbestimmtes Leben, berufliche Orientierung oder gar Ausbildung waren für sie keine realistischen Optionen. Ihr Vater kam mit 17 Jahren als Gastarbeiter nach Deutschland. Sein Ziel war klar: schnell Geld verdienen und in Tunesien eine Existenz aufbauen. Für Zeineb bedeutete das ein Aufwachsen mit vielen offenen Fragen: Wo ist zuhause? Wo ist Zukunft? Bleiben wir hier – oder gehen wir zurück? Diese Unsicherheit prägte ihren Alltag. Zu Hause herrschten konservative Werte, es wurde genau darauf geachtet, was sie trägt und wie sie sich verhält. Europa wiederum erschien ihr oft als freizügig, grenzenlos, manchmal überfordernd. Zwischen diesen Polen fühlte sie sich hin- und hergerissen – gleichzeitig befreit und unglaublich erschöpft.

Wenn Eltern kein Vorbild sein können

Viele Jugendliche orientieren sich bei Schule, Berufswahl und Ausbildung an ihren Eltern. Doch was, wenn dieses Vorbild fehlt – nicht aus mangelnder Liebe, sondern aus fehlenden Möglichkeiten?

Zeineb beschreibt, dass sie in ihrer Mutter kein Vorbild für Selbstständigkeit oder berufliche Entwicklung sehen konnte. Nicht, weil sie es nicht wollte, sondern weil ihr diese Wege selbst verwehrt geblieben waren. Fragen wie „Wie finde ich meinen eigenen Weg?“, „Wie funktioniert Ausbildung in Deutschland?“ oder „An wen kann ich mich wenden, wenn es Probleme gibt?“ blieben lange unbeantwortet.

Gerade in der Ausbildung kann das schwer wiegen: Prüfungsangst, Konflikte im Betrieb, organisatorische Hürden oder Diskriminierung lassen sich allein nur schwer bewältigen.

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Vorurteile im Ausbildungs- und Berufsalltag

Kurz vor dem Ende ihrer Ausbildung, nur wenige Monate vor der Abschlussprüfung, erlebte Zeineb eine besonders belastende Situation. Nach dem 11. September 2001 rückte der arabische Raum und die islamische Religion stark in den Fokus öffentlicher Debatten – oft verbunden mit Feindbildern.

In einem Bewerbungsgespräch in Frankfurt wurde sie gefragt, welche Religion sie habe, ob sie einen „eifersüchtigen muslimischen Freund“ habe und ob dieser womöglich vor der Bank auftauchen würde, um „Stress zu machen“. Sogar ihre Deutschkenntnisse wurden infrage gestellt – obwohl sie dort zum Gespräch eingeladen worden war.

Diese Erfahrung traf sie tief und verunsicherte sie stark. Diskriminierung in dieser Form zu erleben, während man ohnehin unter Prüfungsdruck steht, kann lähmend wirken – besonders, wenn zu Hause niemand ist, der auffängt oder weiß, welche Rechte man hat.

Hilfe annehmen – ein entscheidender Wendepunkt

Was Zeineb geholfen hat, war, sich Unterstützung zu suchen. Sie wandte sich an offizielle Stellen wie den Betriebsrat oder Personalrat und machte die Erfahrung:

 

Ja, es gibt Vorurteile – aber man kann etwas dagegen tun. Und man muss nicht allein damit bleiben.

 

Diese Erkenntnis war für sie ein Wendepunkt. Hilfe anzunehmen, bedeutete nicht Schwäche, sondern Selbststärkung.

Ausbildungsbegleitung im JOBLINGE basecamp: Du bist nicht allein

Genau hier setzt die Ausbildungsbegleitung im JOBLINGE basecamp an. Viele Teilnehmer*innen haben ähnliche Erfahrungen wie Zeineb gemacht: fehlende Unterstützung zu Hause, Unsicherheiten im Betrieb, Diskriminierung oder einfach das Gefühl, alles allein stemmen zu müssen.

Im JOBLINGE basecamp stehen junge Menschen nicht allein da. Sie bekommen:

  • Individuelle Begleitung bei persönlichen und beruflichen Herausforderungen
  • Workshops zu Themen wie Prüfungsvorbereitung, Kommunikation im Betrieb oder Umgang mit Konflikten
  • Verlässliche Ansprechpartner*innen, die zuhören, stärken und gemeinsam Lösungen entwickeln

Das basecamp ist ein Ort, an dem Fragen gestellt werden dürfen, an dem Unsicherheiten ernst genommen werden und an dem junge Menschen lernen, für sich einzustehen – unabhängig davon, welche Unterstützung sie von zu Hause mitbringen.

Unterstützung finden – auch über JOBLINGE hinaus

Es gibt viele Organisationen, die Auszubildende unterstützen, begleiten und stärken. Die wichtigsten in Deutschland kommen direkt vom Staat und heißen „Ausbildungsbegleitende Hilfen“ oder „AsA flex“ der Bundesagentur für Arbeit. Infos dazu findet ihr hier auch bei der Arbeitsagentur.

Denn niemand sollte eine Ausbildung abbrechen müssen, nur weil Hilfe fehlt. Unterstützung zu suchen – und zu finden – kann den entscheidenden Unterschied machen.